Posts Tagged ‘haftstrafe’

Die FAZ hat einen interessanten Artikel über Menschen, die während ihrer Gefängnisstrafe studieren. Ein Fernstudium mit sehr vielen Problemen. Sehr interessant.

Ich bin schon lange gegen Haftstrafen und habe dies auch immer wieder begründet. Nun las ich in der Süddeutschen einen Artikel über jemanden der eine Reihe von Einbruchdiebstählen begangen hatte, unbewaffnet ohne auf jemanden zu treffen, ohne jemanden zu bedrohen. Er bekam neu Jahre, wurde anschleißend 10 Jahre in Sicherheitsverwahrung gehalten und anschließend zwei Jahre die er brauchte um sich dann noch frei zu klagen. Nach 21 Jahren also, für Einbruchdiebstahl (zum Vergleich: Mörder 15-25 Jahre, Kinderschänder so 5-10 Jahre) kam er frei. Allerdings innerhalb von etwa 10 Minuten ohne das Zellennachbarn, Freunde oder auch nur der Anwalt etwas davon wussten. Er wurde vor die Tür gestellt und das wars. Ohne vorher einen Hafturlaub oder Freigang gehabt zu haben.

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Gerade las ich wieder im Lawblog über das Schwarze Kreuz gelesen. Diese Christliche Organisation beschert Inhaftierten ein schöneres Weihnachten. Das sind die Leute, die oft wirklich niemanden mehr haben. Soziale Kontakte brechen sehr schnell ab, die Familie kümmert sich oft auch nur mäßig. Aber das sind ja alles gemeine Kriminelle, vermutlich Kinderschänder oder Kinderesser oder beides (so ja immer noch die Landläufige Meinung über die wilden Viecher die da zu unserem Schutz vergittert werden). Ich halte von Gefängnisstrafen bis heute nichts (und habe u.a. hier schon ausgeführt warum nicht). Und solange man den Leuten ihr Recht auf offenen Vollzug vorenthält kann man wenigstens mal zu Weihnachten an sie denken. (ich sowieso, da ich jeden Tag an der JVA Bochum vorbei komme).

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    In meinem Jurastudium lernte ich Thomas Feltes kennen, welcher osze Beocbachter, Kriminologieprof und vieles mehr ist. Ein sehr netter und spannender Mensch, der mich auch an “Recht im Alltag” brachte. Bei diesem Projekt besuchen z.B. Studenten jede Woche eine Gruppe Häftlinge, welche in absehbarer Zeit wieder auf freien Fuss kommen. Eine sehr gute Sache. Ich habe schon vorher nichts von Gefängnisstrafen gehalten, noch weniger. Wenn man 1.500 Kriminelle in ein Haus setzt für sagen wir 10-20 Jahre ist mir unklar, wie da eine Resozialisierung zustande kommen soll. Sozialarbeiter und Ärzte sind Mangelware und sehen jeden Inhaftierten nur wenige Male im Jahr. Sinnvoller fände ich es, gemeinnützige Arbeit zu verhängen und Leute zur Seite zu stellen, die einem Helfen. Anders sieht es natürlich bei stark psychisch Kranken wie z.b. Serienmördern aus. Aber auch diese Brauchen hilfe, sie weig einsperren nutzt niemandem. Ein Freund von mir läuft zur Zeit gefahr, eine Gefängnisstrase zu bekommen, daher beschäftigt mich dieses Thema zur Zeit wieder. Doch soeben erreichte mich die Nachricht, dass ein anderer Freund mit dem ich einige Zeit nichts zu tun hatte inhaftiert wurde. Wo und warum ist mir bisher gänzlich unklar, doch werde ich zusehen, dass ich das bald weiss und ihn besuchen kann.

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    • … zum Stichwort: haftstrafe

    Gerade las ich wieder einen Text von Dr. Thomas Feltes über Jugendliche Inhaftierte. Seine Texte darüber, über Polizeiarbeit und andere Dinge in diesem Bereich sind echt lesenswert da sie sehr kritisch sind. Bring mich auch immer weider auf den Punkt: Warum haben wir Haftstrafen? Sind teuer und haben wenig Erfolg.
    Viele Leute stellen sich das so vor: Man wird inhaftiert, da gibts dann Didakten, Pädagogen, Arbeitsgemeinschaften, Sozialarbeiter und eine Resozialisierung. Faktisch ist es eher so, dass es überfüllte Zellen gibt, quasi keine resozialisierung und man irendwann wieder raus kommt. Wenn man über 1000 Leute mit krimineller Vergangenheit in ein Gebäude einpfärcht und ein paar Jahre wartet, was soll das bringen?
    Es gibt sicherlich ein paar wenige, welche stark fremdgeferdend und psychisch krank sind. Diese sollte man entsprechend behandeln in geschlossenen Krankenhäusern. Aber die anderen? Gefängnis kostet noch dazu Geld. Wie wäre es die Leute stattdessen Dienste für die Allgemeinheit leisten zu lassen. Würde weniger kosten, sie würden etwas tun, dafür ggf. Anerkennung ernten.

    Da häufigste Argument,w elches ich für Haftstrafen höre ist “Es schreckt ab und die Leute merken es sich!“. Diese Argumentation finde ich wenig schlüssig. Mit der gleichen Argumentation könnte man dem Richter einen starken Prügelknaben zur Seite stellen, der dann wahlweise ein bis vier extremitäten bricht. Das hält auch eine Weile vor, schreckt ab und man merk es sich. Gab es im Mittelalter auch schon.

    Der letzte Punkt ist: Bisher gibt es nur wenig Leute die sich besser weil sie Inhaftiert wurden. Wenn, dann sind es meist andere Umstände die dazu führten.

    Landläufige meinung ist auch, dass man Häftlinge wie Hanniball Lektor halten muss, da sie alles abmetzeln was in Ihre nähe kommt. In unserer Uni wurde früher der Besuch einer Haftgruppe angeboten und kaum angenommen, meisst weil die Leute angst hatten die Hätlinge könnten ihnen etwas antun. Und das sind Leute die mal richter oder Staatsanwalt werden wollen. Die häftlinge die ich in den vergangenen Jahren kennenlernten waren durchweg nette, ruhige Leute egal weswegen sie verurteilt wurden. Häufiges Argumnet darauf “aber es gibt auch andere“. Ja, aber die gibt es auch ausserhalb des Gefängnisses.

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      Zur Zeit studiere ich ja Jura. Eine Sache die am Rande des Studiums angeboten wird ist die Möglichkeit kontakt zu Häftlingen aufzubauen. Das sieht so aus, dass alle 14 Tage eine Gruppe von Studenten für zwei Stunden eine Gruppe von Häftlingen trifft. Beide Gruppen verändern sich zwar langsam, sollen aber möglichst lang (also Wochen/Monatelang) die gleichen bleiben.

      Man sitzt zusammen in einem Raum (ohne Wachen) und unterhält sich einfach. Es gibt auch kurze referate die gehalten werden (5-10 Minuten, z.B. “Privatisierung des Strafvollzuges”) und man diskutiert ein wenig darüber. Leider nehmen von mehreren tausend Jura Studenten in Bochum nur etwa 30 dieses Angebot wahr. Häufigstes Argument dagegen “Zu gefährlich”. Es scheint also immer noch Leute zu geben (und die Wollen mal Richter werden!) die sich unter einem Inhaftieren ein wildes Tier vorstellen, dass alles Tötet was sich in die nähe begibt. Sehr schade!

      Ich bin immer schon der Meinung gewesen, dass Freiheitsstrafen nicht viel bringen. Sie kosten Geld und das rumsitzen in einer Zelle (bzw. einem Trakt) hilft irgendwie niemandem. Es gibt sicherlich einige ganz wenige Leute, die aufgrund ihrer psychischen Verfassung dauerhaft gefährlich für ihr Umfeld sind. Solche zu Therapieren und wenn nicht möglich geschlossen unter zu bringen ist wiederum etwas anderes.
      Man verliert im Gefängnis einfach zu viel die Bindung ins Leben “da draussen” und muss sich anschliessend wieder hineinfinden.

      Ich bin immer wieder gerne da, um einfach bestätigt zu sehen, dass dort ein paar ganz normale Menschen sitzen. Sie haben mal (manche mehrmals) einen Fehler gemacht und müssen nun ihre Strafe absitzen. Aber sonst sind sie ja auch nicht anders, als Leute die man draussen auf der Strasse trifft.