Posts Tagged ‘atomkraft’
Zur Zeit gibt es die Diskussionen ob im Forschungszentrum Jülich Brennelementekugeln vermisst werden oder nicht. Eine sehr gute frage, da dort ja schon rund 200 Kugeln feststecken, die man nicht bergen kann.
Doch wieso musste erst ein Grüner den Taschenrechner bemühen und ausrechnen, dass bei den Gegebenen CASTOR THTR Behältern die angegebene Menge an Brennelementekugeln gar nicht unter gebracht werden kann?
“Jede Pommesbude muss ihren Altöl Verbleib besser dokumentieren” kommentierte ein Freund die Beantwortung der “kleinen Anfrage” der Gründen im Landtag NRW, welche man hier komplett lesen kann.
Die knapp drei Seiten lohnen sich zu lesen. Gruselig wird es bei den Antworten:
über die dann noch verbleibenden 2285 Brennelementkugeln können von hier aus mit der gebotenen Zuverlässigkeit in dem vorgegebenen Zeitrahmen keine abschließenden Aussagen getroffen werden. Die ersten Experimente an den Brennelementkugeln sind bereits Anfang der 70-er Jahre, also vor 40 Jahren, durchgeführt worden. Das erschwert eine entsprechende Recherche.
Außerdem muss berücksichtigt werden, dass – wie bekannt – große Teile dieser Brenn- elementkugeln z.B. zu Forschungszwecken für Nachexperimente eingesetzt und zum Teil auch zerstört wurden, aber auch allem Anschein nach Brennelementkugeln z.B. im Forschungsbergwerk Asse eingelagert worden sind. Eine Bilanzierung ist schon deshalb nicht möglich, so lange die dort eingelagerten Mengen nicht bekannt sind.
Na dann ist ja kein Problem, wir reden nur von Uran 233 und 235 sowie Plutonium 239.
Ich habe jeden Tag seit dem 23.03.2011 die Karten mit den Radioaktivitätsmessungen in Deutschland gespeichert. Gerade mal ein animiertes Gif gebaut um die Entwicklung zu sehen. In den letzten beiden Tagen ging es etwas hoch.
Update: Das Wackelgif wird nun jeden Morgen um 0:15 Uhr aktualisiert
Kernkraft ist wiederein trendy Topic und ich kann das Geseier von “Es gibt keine Alternative” nicht mehr hören.Es gibt jede Menge alternativen und die sind alle Sicherer. Ich hatte gerade die kurze Diskussion, dass ein brennender Generator im Windrad auch ein Problem sei. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es wegen eines brennenden Windrad-Generators 20km Sicherheitszonen gab, 140.000 evakuierte, Reisewarnungen oder ähnliches. Oder habe ich da was verpasst?
Atomstrom ist billig
Das stimmt schonmal nicht. Es sind rund 100.000.000.000 Euro alleine durch Steuergelder in die Forschung gesteckt worden. Dazu kommen die Steuerersparnisse usw. Und wie viel Teurer ist Ökostrom eiegntlich. Na? Die meisten Leute wissen es nicht mal. Nehme ich meine Berliner Wohnung so kann ich Vattenfall Strom für 22,31 Cent/KwH Atom-Mix im Tarif “Berlin Kalssik Privatstrom”. Oder ich nehme bei EWS Schönau den 100% Ökostrom für 23,90 Cent/kwH. Das sind also aufs Jahr für mich etwa 30€ mehr. Da würde ich nicht von “Teuer” reden sondern von völlig Akzeptabel. Dazu nervt mich diese Geiz-ist-Geil Nummer immer schon. Gutes Essen kostet mehr Geld, gute Kleidung auch, der Spoiler fürs Auto oder das Bier in der Kneipe. Aber etwas das so viel kostet wie 6 Schachteln Zigaretten pro Jahr wird als Teuer tituliert.
Es ist eine Brückentechnologie und es gibt keine Alternativen
Aber warum? Weil man 50 Jahre auf nichts anderes gesetzt hat. Hätte man in den 50ern parallel angefangen mal Sinnvolle Energeipolitik zu betreiben hätten wir jetzt nicht diese Probleme. Man könnte z.b. jeden Hausneubauer verpflichten eine Photovoltaik Anlage auf sein Dach zu setzen. Oder auch mal mehr Windräder bauen. Das top Argument dagegen ist: Das sieht nicht gut aus. Stimmt so ein stylishes Atomkraftwerk will doch jeder im Garten haben. Oder so nen Reaktorblock, ein Meisterwerk der Augenweide. Später mehr zu den Alternativen
Atomkraft ist CO2-Freundlich
So Lückenlos Argumentiert wie, dass man Geld spart, wenn man Dienstags keine Ferraris kauft. Man muss mal das große Ganze sehen und in dem Fall die Prozesskette: Man muss sehr aufwendigUranerz fördern. Das wird dann ebenfalls aufwendig angereichert, damit es auch benutzbar ist. Unterm Strich kommt man da auf grob (je nach Quelle) 32g-54g CO2 je produzierte kWh Atomstrom. Bei Wasser- und Windkraft liegt man drunter. Bei Photovoltaikanlage kommt es auf die Zellen an. Mehr dazu hier.
Photovoltaik
Theoretisch reicht die Sonne aus um unsere Energieprobleme zu lösen. Aber so viele Anlagen kann man aktuell kaum aufbauen. Selbst bei einem Wirkungsgrad von nur 10% (was pessimistisch geschätzt ist) sollten 500.000 Quadratkilometer reichen um den Energiehunger der Erde zu stillen. In den USA z.b. würde es reichen 3-5% der Fläche voll zu pflastern um Strom zu haben. Und dort gibt es genug Flächen auf denen es nicht mal jemand merken würde.
Atomkraft ist eine gute, sichere und saubere Brückentechnologie. Dass was da nun in Japan passiert ist Stochastisch gesehen gar nicht möglich. Ich finde, darauf sollte man noch mal hinweisen und auch die anderen Kraftwerke auffordern, sich in Zukunft mehr an die Berechnungen der Experten zu halten. Der Störfall hat bisher eine vier auf der INES Skala, auch wenn ich eine fünf für richtig halten würde. So Zwischenfälle (oder gefährlichere), die an sich nur ein mal alle Milliarden Jahre passieren sollten hatten wir auf der Welt schon sieben mal in 54 Jahren. Man sollte also die Berechnungen auf die Realität anpassen. “Ein schwerer Zwischenfall alle 9 Jahre” Dementiert jeder Kernkraftbetreiber mit Nachdruck.
Wie sieht das Atomkraftwerk aus?
So ein Kraftwerk besteht meist aus mehreren Kraftwerken (“Blöcken”) und ein paar Anlagen, die sie sich teilen. In Fukushima sind die einzelnen Blöcke von GE, Hitachi und Toshiba gebaut. Ein Who-is-who der AKW Branche. Der Betreiber ist (leider) TEPCO, welche für Verschleierung von Unfällen sowie Fälschung von Inspektionen bekannt sind. Daher gebe ich auf ihre Aussagen nicht viel. Hier eine Ansicht bei Google Maps.
So wie Tchernobyl?
Zur Zeit wird immer wieder Chernobyl oder Three Mile Island in dem Zusammenhang mit dem Kernkraftwerk in Fukushima genannt. Ganz vergleichbar ist das nicht. In Japan steht ein Siedewasserreaktor. Auf Three Mile Island war es ein Druckwasserreaktor, in Chernobyl ein graphitmoderierter, wassergekühlter Siedewasser- und Druckröhrenreaktor. Die funktionieren alle anders, auch wenn der in Three Mile Island, auch vom Störfall her, in die gleiche Richtung geht. An sich ist das alles einfach: Die Brennstäbe haben zu wenig Kühlung bekommen, die Kettenreaktion im Brennstab läuft aber weiter, sie werden heiss. Bekommt man sie gekühlt, dann hat man nur einen mittleren bis totalschaden am Kraftwerk und lokal einige Kontamination. Nicht besonders lustig, aber das kleinere Übel. Gestern Abend standen die Brennstäbe aber schon über 1.7m aus dem Wasser heraus. Sie sind gut vier Meter lang. Da kann man sich vorstellen, dass das uncool ist. Nach der Meldung kann ich mit auch nicht mehr vorstellen, dass da etwas zu retten ist. Inzwischen wird der Bereich um den Kern mit Wasser geflutet, Wärmetauscher angebracht usw. Auch das ist ein großer Unterschied zu Tchernobyl: Man hat ein bisschen Zeit zu reagieren und tut das auch (und das in richtig, soweit ich das einschätzen kann). Aber das ist so, wie wenn einem in der Küche die Pfanne mit Öl brennt und man keine Löschdecke hat. Man muss halt irgendwie zu sehen wie man den Schaden noch eingrenzen kann, aber das Essen ist verloren.
Und die Kernschmelze?
Die Kernschmelze wurde auch erst bestätigt, dann dementiert. Ich denke, dass sowohl Block 1 als auch in Block 3 in Fukushima 1 eine Kernschmelze gab. Da das ganze nicht Graphit moderiert ist, sollte ein übler Brand wie in Tschernobyl ausgeschlossen sein. Aber eine große Knallgasexplosion und eine übele Verseuchung der Gegend kann es halt noch geben. Wie gut, dass immer betont wird, dass das ja weit weg ist. Für die jüngeren Leser: Die Wolke von Tschernobly ging 3x um die nördliche Hemisphäre. Wie gut, dass ich damals in Ruanda lebte.
Microsivert, Jod 131 und Cäsium
Inzwischen ist in der Gegen Cäsium und Jod 131 im Umlauf. Dies baut der Körper (vereinfacht gesagt) statt Calcium und Jod in die Knochen bzw. die Schilddrüse ein. Die Strahlung liegt bei über 1.500 Microsievert pro Stunde. An sich sollte man nicht über 1.000 pro Jahr kommen. Viel Spaß damit! Von den Leute die jetzt da arbeiten wird niemand mehr alt werden.
Energiekriese
Ein weiteres Problem was auftritt ist die Energieknappheit. Ich kenne das Netz in Japan nicht, aber vermute, dass die Inseln nicht so wahnsinnig gut an die Aussenwelt angebunden sind. Daher haben sie ja eigene Kraftwerke. Auch wenn sie nun Gas oder Erdöl von woanders, vor allem Russland, bekommen, dann geht das nur bis die Pipeline voll ist. Das ganze will dann aber auch in Energie gewandelt werden und die Anlagekapazitäten sind auch begrenzt. Japan hat zur Zeit etwa 25% weniger Energie als sie brauchen. Und da Fukushima wohl kaum wieder ans Netz gehen wird müssen sie sehen wie sie das die kommenden Jahre überbrücken und ob sie noch mal auf Atomkraft setzen oder doch lieber auf Tiedenhubkraftwerke.
Also warten wir mal ab, was da kommt und hoffen das Beste.
Meine Quellen im Netz
Richtig gute Informationen bekommt man gerade nirgends finde ich.
- Tagesschau Nachrichtenticker
- Google News
- Guardian.co.uk
- yokoneww livestream
Wer noch eine Mail versenden möchte und nciht weiss an wen, kann sich an der Aktion Krümmel bleibt aus! beteiligen.
“Der Stromkonzern Vattenfall will das Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg, das seit dem verheerenden Brand Ende Juni 2007 stillsteht, wieder in Betrieb nehmen. Den Antrag dazu wird Vattenfall in Kürze beim zuständigen Sozialministerium in Schleswig-Holstein stellen, sofern nicht bereits geschehen.”
Das Kraftwerk muss aus bleiben und die anderen vom Netz, bitte unterstützt die Aktion! (Natürlich sollte man besser eine individuelle Email schicken, damit sie nicht im Filter landet)

