Es gibt in Deutschland einfache rechtliche Mittel: Geldstrafe und Gefängnisstrafe. Ja, es gibt mehr, aber den Rest interessiert irgendwie niemanden so recht. Von Punkten in Flensburg merkt man nichts und ob man eine Haftstrafe auf Bewährung bekommen hat oder nicht, tangiert auch eher selten.
hinsehen statt wegsehen
Ich hatte während meines Jurastudiums immer wieder mit Insassen der JVA Krümmede in Bochum zu tun. Regelmäßig besuchte ich sie und unterhielt mich mit ihnen. An sich hatten alle Studenten die Möglichkeit mit zu kommen. Doch von mehreren Hundert wollten dies nur etwa zwanzig tun. Das häufigste Argument dagegen war Angst vor den Insassen. Um so erschreckender fand ich, das unter den Besuchern kein einziger war der Richter oder Staatsanwalt werden wollte.
Sie wollen also später Leute zu Gefängnisinsassen machen, vor denen Sie angst haben, ohne je ein Gefängnis von innen gesehen zu haben? Das nenne ich mal verantwortungsvollen Umgang mit dem Leben anderer.
Was tut man im Gefängnis?
Aber was passiert in so einem Gefängnis eigentlich den Tag lang? Workshops, Resozialisierung, usw.? Viellicht im Kino, aber nicht in einer JVA. Es gibt die Möglichkeit für einen Hungerlohn die JVA selber in Stand zu halten. Dann muss man auch keine teuren Firmen beauftragen und Mindestlöhne gelten nicht. Das z.b. gilt als ein guter Dienst am Gefangenen. Ansonsten hat man aber eigentlich nicht viel zu tun. Von Therapien, Resozialisierung und ähnlichem ist wenig zu sehen.
Man kann Zeit mit den über 1.000 anderen verbringen, die dort inhaftiert sind. Aber ich bin mir nicht sicher, wie viele dadurch resozialisiert wurden. Zum anderen kommen immer mehr Gefangene erst im Gefängnis zu Drogen. Wie die da reinkommen ist immer noch ein ungeklärtes Mysterium.
10 oder 20 jahre?
Während als in Anbetracht der jüngsten Anschläge in Oslo Leute überlegen ob 20 oder 30 Jahre das richtigere sind frage ich mich wo der unterschied zwischen einem und zehn Jahren liegt. Eingesperrt in einem Bereich so groß wie ein Wohnwagen, über Jahre mit wenig Ausgang. Das ist also nicht unmenschlich? Das tut man um der Bevölkerung zu helfen?
„Aber die sind gefährlich!“
Und wird das besser wenn man so jemanden einsperrt? Wohl kaum. Mit der gleichen Logik könnte man sie doch alle töten, wäre günstiger und eine solide Lösung. Warum nicht, wenn sie so gefährlich sind?
„Aber man muss die Leute bestrafen!“
Nein, man muss ihnen helfen. Und man muss dafür sorgen, dass sie wieder einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten können. Sie weg sperren löst beides nicht. Außerdem könnte man dann doch dem Richter einen Knüppel geben. Mit dem brät er jedem eins über die Rübe, den er vor sich hat, mit unterschiedlicher Stärke. Geht einfacher, ist Günstiger. Ist aber unmenschlich. Aber ist es wirklich Unmenschlicher, als jemanden für Jahre in Gefangenschaft zu halten?
Wenn Leute wirklich so akut fremdgefährded sind gehören sie in eine Geschlossene Psychiatrie in der man Ihnen helfen kann. Im Gefängnis sind auch diese definitiv falsch.
Ich bin es auch langsam Leid, das Thema mit Leuten zu diskutieren, die keine Ahnung haben und meinen im Gefängnis hat man von morgens bis Abends Therapien und wird mit Kaviar gefüttert.
Von dem aktuellen System in Deutschland halte ich gar nichts. Es ist as gleiche wie Stopschilder vor Internetseiten zu machen die man nicht sehen will. Man schiebt das Problem ab, verschiebt es in eine andere Legislaturperiode und hofft, nie die eigentlichen Probleme angehen zu müssen.
Ich empfehle zur weiteren Lektüre das Knastblog.
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