Vor etwa fünf Jahren (2003) lernte ich “Doc” kennen. Da wir beide in Bochum wohnten und ähnliche Interessen hatten, hielten wir via Internet kontakt, trafen uns oft und wurden gute Freunde. Beruflich war er früher Notarzt, dann aber zum Zoll in Dortmund gewechselt um sich dort um Betäubungsmittel Dinge zu kümmern. Er fuhr immer wieder am Wochenende als Notarzt da, wo einer gebraucht wurde um seinen Notzarztschein nicht zu verlieren. Finanziell stand er immer sehr gut da, zog aber Berufsbedingt häufiger um.
Ich fuhr ein paar mal mit ihm (als Praktikant) im Notarzteinfachtfahrzeug (NEF) mit und hatte viel Spass daran. Doch irgendwie gab es immer wieder ungereimtheiten in seinem Leben. Irgendwie wollte er aber nicht recht drüber reden. Aber was solls, bei einem guten Freund muss man nicht immer sofort alles wissen. Irgendwann offenbarte er mir dann, dass er als Regierungsinspektor für den Verfassungsschutz arbeitet. Dieser habe ihn sechs Monate in die USA geschickt, wo er lernte was ein Notarzt können muss. Etwa zu der Zeit wurde ich vom Bundesamt für Verfassungsschutz zum BSI IT Kongress eingeladen. Bzw. Sebastian vermittelte es und ich konnte kostenlos Teilnehmen. Am Eingang des Kongresses wurde mir eine Karte hinterlegt, alles prima. Es folgten in seinem Leben mehr Details die nicht passten. Eines Tages rief mich seine Freundin an. Er war zuvor zum BKA nach Berlin versetzt worden und sie lebten dort. Er war nicht erreibar und mir dämmerte, dass etwas passiert sein muss. Als ich dort ankam erklärte sie mir, dass er inhaftiert worden war. Betrug, Urkundenfälschung usw. standen zur Debatte. Sowas ist äusserst uncool, aber was solls, er war ja immer ehrlich zu mir, was unsere Freundschaft betraf. Man erklärte mir, dass er kein Arzt sei, auch nie beim Verfassungsschutz oder Zoll war, auch kein Abitur und nie Studiert habe. Nur eine Abgebrochene Krankenpflegerausbildung und eine ausbildung in der technischen Rettung. Er wurde zu 18 Monaten zur Bewährung verurteilt. Da er in Untersuchungshaft sass aber aus der Wohnung geworfen wurde rettete ich seinen Umzug indem ich seinen gesamten Hausrat nach Bochum schaffte und bei mir einlagerte, bis er frei war und eine neue Wohnung hatte.
Nur kurze Zeit später erreichte mich ein Mahnbescheid: Ich habe eine Karte für den BSI IT Kongress zu bezahlen. Ich erklärte die Situation und wiedersprach dem Mahnbescheid. Doc trat dem Streit bei und erklärte ebenfalls, dass alles seine Schuld war. Die Situation war ziemlich blöde, aber er stand immerhin zu dem, was er getan hatte. Warum sich die BRD durch einen Fachanwalt für Familienrehct vertreten liess ist mir bis heute schleierhaft. Im zivilrechtlichen Verfahren wurde ich zur Zahlung verurteilt, sollte mich gegenüber Doc selber schuldenfrei halten. Doc machte Ratenzahlung aus, kam dieser aber nicht nach. Ich zahlte also zunächst den gesamten Betrag, bat ihn um schnelle Regelung der Sache. Das war bis heute, mit Ausnahme einer Verhandlung, unser letzte Kontakt. Denn da hörte für Ihn die Freundschaft scheinbar auf.
Ich mailte ihm, rief ihn an, alles ohne Erfolg. Also beauftragte ich nach monaten meinen Rechtswanwalt. Nach mehreren Briefen reichten wir Klage am Amtsgericht Bochum ein. Es kam zum Prozess und zur Verhandlung (siehe Blogeintrag). Dort meinte er, keine Zahlung leisten zu müssen, da es meine Idee gewesen sei. Da unter anderem ein Schirftstück von ihm Vorlag in dem er die Schuld auf sich nahm bekam ich in der knappen entscheidung recht. Ab dem 29.04.2008 hatte ich also ein Urteil in der Hand, welches eine Zwangsvollstreckung zuliess. Ich ging davon aus, dass die Sache nun gelaufen sei. Doch es ging kein Geld ein. Also wurde der Gerichtsvollzieher beauftragt, zu Pfänden. Zurück kam nur knapp: “Der Schuldner besitzt amtsbekannt keine pfändbare Habe“.
Nanu? Er arbeitet doch, hat Notebooks, Handies, und eine schöne Wohnung. Die Eidesstattliche Versicherung war von 2005. Sein Vermögensverzeichnis liegt mir inzwischen vor, es spiegelt nicht das wieder, was ich im Kopf habe. Auf seiner Homepage schriebt er heute noch viel über seine Arbeit und verschenkt zur Zeit teile seiner Hardware. Aber wie ein Freund immer sagt: Es gibt einen Fall den deutsche Gerichte nicht abdecken: Wenn einem jemand Geld schuldet.
Pingback: Der Pirat LB | Ennos Testwelt
Pingback: Enno Lenze » Blog Archive » Der Pirat LB