19. Chaos Communication Congress und HackTrain

Wie jedes Jahr fand in Berlin der Chaos Communication Congress
statt, den ich nun seit
seinem 15. Erscheinen Besuche. Dieses Jahr wollten wir kollektiv
mit dem eigenen Zug hin, was eine sehr gute Idee war.

HackTrain Planung
Vor etwa einem Jahr fuhren wir mit 17 Leuten mit nem Gruppenticket zum 18C3.
Das war soweit lustig, aber man strebt ja nach höherem.
Im Oktober machte ich mich mehr oder minder ernsthaft an die Planung. Fragte an, wer zum Congress will, und brachte den Gruppenticketpreis in Erfahrung.
Mehr aus Spass als aus ernstem Interesse fragte ich bei einigen privaten Bahnunternehmen an, was ein ganzer Zug kosten würde.
Da ich aber keinen echten bezug zu dieser Szene hatte und google nur Connex, Metropolitrain u.ä. ausspuckte sah das nicht so rosig aus. Irgendwer meinte ich solle es in Usenet in de.etc.bahn.tarif+service versuchen, was ich dann auch tat.
Auf mein Posting antwortete nach nur etwa 5 Stunden Simon Kissel, aka scamp.
Damit war der entscheidende Teil eigendlich schon gelufen. Ich setzte eine Seite in meinen WiKi, welcher alles etwas koordinieren sollte, sah aber (zitat) “scheisse” aus.
Somit machten sich scamp und fashion dran die HackTrain Homepage zu machen. Die sieht echt gut aus.
Da die Seite bei mir lag, bekam sie noch ein ganz simples Webinterface um von allen bedienbar zu sein.
Anschliessend folgten zig mails, um die Route und die Details zu klären.
Dann starteten wir die unverbindliche Anmeldung, um zu sehen ob es genug interessierte gibt. Anschliessend die verbindliche Anmeldung. Doch dort kamen zu wenig Leute zum Stichtag zusammen.
Es sah danach aus, als würde das Projekt scheitern. Doch zum Glück übernahm die Reinhessische Eisenbahn das Finanzielle Risiko und scamp schrieb das Buchungs und Informationssystem für den Zug. Ein Artikel auf Heise folgte, und wir bekamen etwa 50.000 zusätzliche Hits. Danach kam die Sache richtig ins Rollen.
Wir setzten ein Forum auf, es gab eine Maillingliste und einen IRC Channel. Ab dem 24. auch eine Info- und Notfallnummer, sowie eine Ansage mit dem aktuellen Fahrplan.


24.12.
Nachdem ich es verpeilt hatte Wavelan Accesspoint zu organisieren halfen mir DarkRR und windoof recht schnell aus. Ich holte 2 AP’s und konnte ruhigen gewissens mein Auto packen. Schlafsack, Rucksack, Futter, Leinwand, T Shirts. Sah alles ok aus. Aber morgen sollte noch smash mit rein. uiuiui das wird eng.


25.12.
smash kam ordnungsgemäss um 10:30 Uhr an. Dann kam das Platzproblem. Ein Polo ist für sowas einfach nicht ausgelegt. Nachdem der Subwoofer und die CD’s weichen mussten, bekamen wir aber auch seinen Tower und das restliche Gepäck rein.

Dreissig Minuten später fuhren wir los, mit Murphy an board. Denn sofort viel auf, das keine Musik kam. Also hielten wir am nächsten Rastplatz. An jeder box war beim beladen ein Kabel abgegangen.
Kein Problem. Wir fuhren weiter, und suchten ein Mc Docalds. Insgesammt fuhren wir an dreien vorbei, hielten an einem geschlossenen und bekamen dann, 1000m vor unserer Ziel Ausfahrt endlich Futter.

Gegen 14:00 Uhr kamen wir in Bingen an.
Nachdem wir uns zum Bahnhof durchgekämpft hatten warteten wir noch eine Weile, bis scamp kam; dabei sahen wir schon den Esslinger, welcher zum HackTrain werden sollte, vorbeifahren.
Scamp und Fashion lotsten uns dann zum Abstellgleis, wo der Zug wartete. Bis spät abends schmückten wir, legten Kabel und pinnten Frauen an die Wand.
Nachdem wir dort fertig waren, ging es zum Computerman Headquater, wo scamp die Jukebox fertig schrieb und wir noch Kabel, Server und so weiter für die Fahrt packten.
Irgendwann zwischen 2 und 3 verliessen wir das Büro. Ich fuhr mit smash richtung Mainz um die letzten Stunden Schlaf zu geniessen. Natürlich verpeilte ich es bei der Abfahrt eine vernünftige Route zum Hotel mitzunehmen und wir kamen um 4 Am Mainzer HBF raus.
Da es nun nicht mehr viel Sinn hatte ins Hotel zugehen (30 Minuten fahrt nach Bingen, und Treffen um 5:30 Uhr mit scamp), entschlossen wir uns schonmal zu Treffpunkt zu fahren und dort zu pennen.
Gegen 4:45 uhr kamen wir dort an. Satte 40 Minuten Schlaf sollten uns erwarten.
Ich machte es mir auf dem Fahrersitz gemütlich, während smash mit den Beinen über der Kopflehne und dem Kopf im Handschuhach schlummerte.


26.12.
Um 5:30 Uhr riefen wir scamp an, bzw. versuchten es, und fuhren gegenüber zu Dea
(was ja eigendlich schon Shell sein müsste) und frühstückten.
scamp war unerreichbar.
Zum Glück fuhren wir gen Abstellgleis, wo wir den Zug beleuchtet stehen sahen.
Wir fragten nach wo scamp sei, da wurden wir schon gebeten einzusteigen, weil wir abfahren. 5 Minuten Später und wir hätten den Zug verpasst.
Scamp wurde dann erreicht. Er hatte verpennt, weil sein Wecker nicht geklingelt hatte. Er kam dann mit dem Auto nach Mainz.

Mainz: Als Gesellschafts Sonderzug angekündigt trudelten wir ein und nahmen etwa 40 Leute auf.
Einer kam eine Sekunde zu spät, sodass wir nochmal halten und ihn aufnehmen mussten. Dann begannen wir das Netzwerk aufzubauen. Die AP’s sollten jeweils die am dichtesten dran Sitzenden Leute konfigurieren, was auch klappte.

Koblenz: den Stop habe ich fast verpasst. scamp gab per Funk vorher bescheid auf welcher Seite der Bahnhof war, ich musste dann Türen öffnen und schliessen.
Ab Koblenz versuchte ich auch die Heizung an zu machen, was aber nicht wollte. Der Generator lieferte da noch recht gut Strom.

Köln: Eine Dame der WDR Internetredaktion hatte um Mitfahrt gebeten, welche wir ihr gewährten. Cefalon hatte sich ihr schon am Bahnhof angenomen,
wodurch sie auch sicher zum Zug fand. Auf das obligatorische anti-Köln mp3 verzichteten wir :-)

Düsseldorf: Das Chaosdorf stieg mit vielen Leuten und dem Beamer zu.
Nun konnten wir auf Dunkelheit hoffen zum Videos gucken.

Bochum: In meiner Heimat hatten wir 20 Minuten Aufenthalt. Meine stolze Mama stand da, und noch eine menge weiterer Leute. Die nette Dame vom WDR verliess uns hier, machte aber noch ein paar nette Bilder.
Gegenüber stand ein ICE, dessen Kontrolleure uns belächelten. Wir bauten verbale Kommunikation auf. “seht ihr das?” – “ja” – “wisst ihr was das ist” – “nö” – kein Wunder. Das sind glückliche Kunden”.

hamm: Da der Generator in Wagen B ausfiel startete Wagen A die Aktion “Solidarität mit Wagen B”, welche im Wesentlichen daraus bestand, eine Kabeltrommel aus dem Fenster des Wagen A in den Wagen B zu legen und so für Strom zu sorgen.

hannover: Unser letzter regulärer Stop bis Berlin. EInige nette Hannoveraner steigen zu und mich erreichte die SMS, dass nun der WDR Artikel online sein.

Gegen 23:30 Uhr erreichten wir Berlin Alexanderplatz. Mit nur 15 Minuten Verspätung, was ich in anbetracht der Strecke echt ok finde.
Mein Papa stand schon da um mich abzuholen, sowie bobman und keymaster.
Scamp und fashion stiegen hier auch aus. Sie mussten noch einen Leihwagen abholen, um dann wieder zurück zu fahren. Was eine Tour.
Ich erklärte ein paar Leuten den weg zum HAKP (Haus Am Kölnischen Park, nur eine S Bahn Station). Da aber viele Leute nicht das erste mal auf dem Congress waren, war es kein großes Problem.

Die Schlange am HAKP war recht groß. Glücklicherweise konnte ich mich ohne Badge reinbegeben und holte dieses später.
Fred, der mit mir angereist war hatte kein solches Glück. Bobman hatte Glücklicherweise vorher unsere Plätze im Pumakäfig (aka Hackcenter unten) gesichert.

Als nächstes erwartete mich die für 0:30 Uhr angesetzte Engel Besprechung.
Dort wurden die Engel wieder über alles wichtige instruiert. Steffen kam rein und erklärte kurz was zu der SSD e.V. Regelung. Als das Thema Badges kam fiel mir auf, dass ich noch keines hatte.
Holte ich mir danach aber schnell.
Anschliessend ging ich nochmal rum und guckte, wen ich noch nicht begrüßt habe. Dabei viel mir auf dass ich von Jahr zu Jahr mehr Leute dort kenne.

Gegen vier Uhr legte ich mich dann pennen.


27.12. – erster Tag
Um 10 Uhr wachte ich von selbst auf. So viel Schlaf war ich auf dem Congress gar nicht gewohnt.
Der erste Weg führte natürlich zum Engelraum, wo ich erstmal einen Tee trank.
Anschliessend fiel mir auf was ich vergessen hatte, bzw. was ich noch brauchte: Hausschuhe und ein Headset fürs Funkgerät.
Ich ging mit Fred zunächst zu Aldi um die Grundnahrungsmittel zu holen.
Da es dort weder Hausschuhe noch Freisprecheinrichtungen gab fuhren wir zum Alexanderplatz, wo wir Zaphod trafen.
Bei der Galeria Kaufhof gab es zwar Hausschuhe, aber erst ab 65 Euro. Also fuhren wir zurück. Auf dem Weg zum HAKP rief ich meinen Papa an, da der dort in der nähe wohnt.
Er hatte Hausschuhe, einen Ohrstöpsel und das fünfte Element (Wasser zum Duschen).
Danach ging es wieder zum HAKP. Wie jedes mal am ersten Tag durfte die Presse rein. Und wie jedes Jahr waren manche Journalisten ganz besonders wichtig und hatten die allerbesten Beziehungen zu Andy (zumindest aus ihrer Sicht). Wie immer gingen dann einige Journalisten sehr frustriert nach Hause oder zahlten wiederwillig den Eintritt.

Am Abend bekam ich von Klaus ein richtiges Headset, das war echt praktisch.
Anschliessend ging es ins Labor, wo jeedi, Hannah und Nachtkind wahrheit-oder-pflicht-blackjack spielten. Ich beteiligte mich an der munteren Runde bis etwa 6 Uhr. Dann konnte ich nicht mehr.


28.12. – zweiter Tag
gegen 12 Uhr erwachte ich durch sanftes Sorround Schnarchen im Raum.
Das erste war ein Döner-Frühstück mit Club Mate. Da soll nochmal einer sagen Hacker Frühstücken nicht richtig.

Anschliessend sah ich mich im Fokus einer Digitalkamera die zweimal auslöste. Daraufhin hatte ich eine längere Diskussion mit der Person darüber, ob man einfach so Panorama Bilder fremder Menschen machen sollte oder nicht. Wir fanden keinen echten Konsens.

Danach ging ich ins Archiv. Zeigte meinen Studentenausweis vor, damit ich
völlig legal billigzahler bleibe ud organisierte mir Aufkleber, eine Privacy Card und ähnliches.

Mich erreichte die Nachricht, dass in meinem geliebten NRW der böse Büssow nun ein für alle mal zum Zensator gekrönt werden sollte.
Ein Gericht hatte die Düsseldorfer Sperrverfügung bestätigt.
Ich hängte darauf hin ein Wohnungsgesuch auf, auf welches ich zwei Antworten bekam. :-)

Am Abend wurde der erste (?) Hack mit Website defacement bekannt. Es erwischte Bücher Zentrale (?) des Landes Schleswig Holsteins. Dabei fiel mir ein, dass vor etwa einem Jahr zur selben Zeit eine unbekannte Person die Website meiner Schule hackte.

Dann bekam ich einen Anruf, dass meine Oma am Eingang auf mich wartet. Sie wollte sich mal den Congress ansehen. Ich führte sie und eine Freundin etwa 15 Minuten rum. Dann hatten beide genug und gingen informiert wieder nach hause.
Kurz drauf sackte mich fox ein, da dieser mit mir auf Dach wollte. Laila, sunshine und $namevergessen hatte er auch bei. Und mit so vielen Leuten wurde es schön kuschelig warm da oben :-)

Nachdem wir vom Dach runter waren gab es noch einige Runden Twister im Versorgungsraum. Das war sehr spassig :-)

Zu meinem Glück bekam ich an dem Abend noch eine ausgiebige Massage im Sani Raum, weswegen ich völlig entspannt die nächten Congress Tage überstand und noch bis 8 Uhr munter rum hüpfen konnte.


29.12. – dritter Tag
Schemenhaft erinnere ich mich an den 29.
High noon. Der menschliche Wecker kommt rein und bootet mich.
Eine Sekunde drauf ruft mich irgendwer per Funk. Soweit habe ich es noch realisiert, aber es war alles noch im Halbschlaf.
Da heute die meissten Leute abreisen werden, wird der Eingang umgebaut und im Hackcenter unten ein zusätzlicher Ausgang angelegt.

Scamp ruft an: Ich soll morgen 500 Brötchen beim Bäcker “Backstube” im Bahnhof Alexanderplatz abholen.

Der Tag vergeht so schnell, dass ich gerade noch das Hacker Jeopardy um 17 Uhr mitbekomme. Wie immer sehr aufschlussreich und sehr spassig.
Kju gewinnt, wie im letzten Jahr.
Den ganzen Tag verabschiedet man sich von den verschiedenen Leute und kommt kaum noch raus. Am Abend gab es wieder Twister :-)
Ich bin aber schon um 12 ins Bett gegangen, um gegen 7 Uhr wach zu sein. 9:13 Uhr ist HackTrain
Abfahrt und ich wollte um 8:30 Uhr da sein. Zur Sicherheit haben wir 2 Wecker gestellt und ich habe im Hackcenter gepennt mit einem Schild auf dem Schlafsack “!UNBEDINGT! um 7 Uhr wecken”.


30.12. – Abfahrt
Punk 7 Uhr. Irgendwer tippt mich an. Da Schild hat funktioniert.
Halb beduselt zieh ich mir die Pizza von gestern und die Fanta rein. Moment mal… ich hatte doch gar keine Fanta.. aber egal. Es hat sich auch niemand gemeldet dem sie gehört.

Dann habe ich geguckt wer noch pennt, den ich wecken sollte und wer noch da ist, dem ich Tschüss sagen sollte. Nach den üblichen runden Packen wir zusammen und schleppen uns zum Bahnhof.

Zunächst suchte ich die “Backstube” um sicher zu gehen, dass ich sie finde.
Dann ging es zum “DB Infopoint” um ihnen zu sagen, dass um 9:09 – 9:13 Uhr der Gesellschafts Sonderzug “HackTrain” an Gleis 2 steht. Wussten die natürlich nichts von.
Der Zug kam pünktlich, der Einstieg war unproblematisch. Auch die Brötchen hatten wir rechtzeitig geholt.

Allerdings hatte die Bäckerei statt den bestellten und bezahlten 500 Stück nur etwa 300 geliefert.

Beim anwerfen des Generators zog ich mir die Startschnur über die Hand, sodass ich eine etwa 3 mm tiefe Furche in der Hand hatte.

Die Rückfahrt verlief so stressfrei, wie ich es mir nicht hätte Träumen lassen.
Wir hatten hinten Strom, Heizung und viel Platz.
Nur drei Leute verplanten die Abfahrt und stiegen in Hannover bzw. Bielefeld zu.

Wir durften uns an musikalischen Highlights wie “Erwin, der dicke Schneemann” oder “Kroko Doc.” erfreuen. Dazu kamen die kulturellen Events, wie die Key-Signing Party auf der Toilette das A Wagens.
Später kam noch Pylon mit dem Beamer, wodurch wir Wargames gucken konnten. Im 2. Abteil zeigte der DJ “Bernie und Ert” ohne Ende auf seinem Notebook. War eine sehr entspannte Fahrt.

Doch das Grauen dämmerte mir. Ich hatte meinen Wagen wegen der überstürzten Abfahrt neben den Gleisen am Abstellbahnhof stehen lassen und wusste nicht ob er noch da stand.
Da ich aber eh völlig übermüdet sein würde, dachte ich mir, es ist egal. Entweder fahr ich nach Hause, oder ich lege mich ne Nacht ins Hotel.
An den Stationen leerte es sich, irgendwann sassen wir nur noch zu sechst im Zug und fuhren nach Bingen. Dort stand mein Auto noch immer und wir luden aus.
Ich setzte mich an Steuer und hielt bis zur Autobahn durch. Aber am ersten Rastplatz musste ich pennen. Und am zweiten. und am dritten. Aber nach und nach kam ich der Heimat näher.
Irgendwann kam ich völlig kaputt hier an.

Aber alles in allem war es eine *sehr* spassige Aktion.


* 19C3 Homepage
* HackTrain Homepage

(L) Enno, Rechtschreibkorrigiert von ZaphodB

31.12.2002 | Tour Berichte | | No Comments »

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